Die Angst vorm Diskutieren
Auch über (Zeitungs-)Inhalte wurde beim European News Paper Congress in Wien gesprochen. Experten diskutierten über die Zunahme von Angstthemen in den Medien. Nein, stopp: Diskutieren ist an dieser Stelle das falsche Wort, denn eigentlich waren alle einer Meinung. Ihre Forderung: ein verantwortungsvoller Umgang mit Angstthemen. Wer hätte das gedacht? Ich will nicht sagen, dass der Runde ein Teilnehmer fehlte, der einen verantwortungslosen Umgang mit Angstthemen gefordert hätte. Aber ein Vertreter einer Boulevardzeitung hätte der Diskussionsrunde sicher gut getan. Ein paar Informationen blieben aber dennoch hängen: Etwa die von Prof. Jürgen Grimm von der Universität Wien, der erklärte, die Leser würden sich nicht gerne Angst einjagen lassen, sondern hätten vielmehr einen "Angstbewältigungsbedarf". Schlagzeilen der Bildzeitung wie "Niemand ist mehr sicher: TERROR kommt immer näher" dürften in diesem Fall ja sehr hilfreich sein. Vielleicht ist das aber auch ein neuartiger Therapieansatz: Angstbewältigung durch die Erzeugung von Panik. Scherz beiseite, Prof. Grimm hat ja sicher Recht. Den verantwortungsvollen Umgang mit Angstthemen müssen einige Boulevardblätter aber sicher noch lernen, zumal Katastrophen und Kriege auch in Zukunft noch die Hauptrolle in Zeitungen spielen werden. Chefredakteur Carsten Erdmann von der Berliner Morgenpost erklärte, warum das so ist: "Die Wirtschaftskrise wirkt sich auf den Einzelverkauf nicht aus." Auf den nächsten Super-GAU werden deshalb aber sicher auch die ambitioniertesten Boulevard-Redakteuere nicht hoffen.